9. August 2013

Fahrbericht Unterwegs mit technischen Finessen BMW HP4: Weißblaue Rakete

Die BMW HP4 kostet leider 25.000 Euro.
Die BMW HP4 kostet leider 25.000 Euro. © BMW

Bereits die BMW S 1000 RR ist eine Ansage als Supersport-Motorrad. Doch es gibt immer eine Steigerung, bei den Münchnern trägt sie den Zusatz HP4 in der Modellbezeichnung. Was das Bike zu bieten hat, zeigt uns Test.




Ausgerechnet BMW. Als die für ihre einst eher behäbigen Boxermotorräder bekannte Marke 2010 die BMW S 1000 RR auf den Markt brachte, staunte die Bikerwelt nicht schlecht. Aus dem Stand ließ man die Supersportler-Spezialisten aus Japan und Italien hinter sich – zumindest was die Verkaufszahlen anging. Was die Biker-Welt so überraschte war nicht unbedingt die Power des neuen Motors mit rund 200 PS oder das stimmige Konzept des Racers, sondern die darin integrierten elektronischen Hilfsmittel wie Renn-ABS, Traktionskontrolle, Schaltautomat und die vier elektronisch einstellbaren Fahrmodi.

Freilich zog die Konkurrenz bald nach, doch im vergangenen Herbst zündete BMW die zweite Stufe ihrer Sportler-Offensive und stellt die BMW HP4 vor. Die elegant blau-weiß lackierte Rakete betrat Neuland in Form des semiaktiven Fahrwerks namens DDC. Und das funktioniert so: Den vier Fahrmodi (Rain, Sport, Race, Slick) sind drei Basissettings für das Fahrwerk (Rain und Sport haben ein identisches Set-Up) hinterlegt. Die drei Einstellungen haben keine feste Kennlinie, sondern umfassen einen weiten Einstellbereich. In diesem reagieren die Dämpferventile innerhalb von Hundertstelsekunden auf die eingehenden Informationen und sorgen so für die passende Dämpfung. Das soll auf der Landstraße für den nötigen Komfort und auf der Rennstrecke für die nötige Härte sorgen.


Federverhalten ändert sich kaum

Aber aufgepasst! Wer nun denkt, hier werde der fliegende Teppich geliefert, der alle Unebenheiten der Straße wegbügelt, der wird enttäuscht. Das Federverhalten ändert sich im Vergleich zum herkömmlichen Fahrwerk in der S 1000 RR kaum. Kurze Schläge werden ebenso durchgereicht wie die vielen anderen Unebenheiten mehr oder weniger gut gepflegter Landstraßen - insbesondere am Hinterrad. Und wer zudem denkt, das Fahrwerk lasse sich nicht mehr fein justieren, weil es das ja selbstständig vornehme, der erlebt eine weitere Überraschung.

Das Cockpit der HP4
Das Cockpit der HP4 © BMW

Denn es lässt sich durchaus noch einstellen – nunmehr eben über die Elektronik im Bordcomputer. Wer seine HP4 also exakt auf sein Gewicht und seine Hausstrecke einstellen möchte, steht wieder vor der Aufgabe, die korrekten Werte zu finden. Eine Aufgabe, die in Foren für viel Gesprächsstoff sorgt, zumal das „Popometer“, also das subjektive Gefühl des jeweiligen Piloten, keine Basis für eine objektive Beratung bildet.

Noch mehr Handlichkeit

Und so erlebten wir die HP4 auf der Landstraße auch überraschend straff mit wenig Neigung, Unebenheiten besser wegzufedern als die konventionelle Schwester. Wir erlebten aber auch einen Racer, der die vielen Qualitäten der S 1000 RR besitzt und sie mit noch mehr Handlichkeit und Zielgenauigkeit verbindet. Was zum einen am geringeren Gewicht liegt - vor allem an den leichteren Schmiederädern -, aber auch am leichtgängigen, exakt dosierbaren Gasgriff mit einer tollen Abstimmung, die keinerlei Lastwechselruckeln mehr zulässt. Zudem zieht der Motor spürbar besser durch.

In schräglage mit der HP4
In schräglage mit der HP4 © BMW

Noch besser dosierbar sind auch die formidablen Bremsen. Fans von Zubehörauspuffanlagen werden sich über den serienmäßigen Akrapovictopf freuen, der den nötigen Sound liefert wie auch an den vielen schönen Karbonteilen rundum bis hin zu verstellbaren Fußrasten, den edlen Brems- und Kupplungsgriffen und der wirklich gelungenen Farbgebung.

Angesichts der vielen Goodies und der technischen Schmankerl überrascht der Preis von rund 25.000 Euro, bei dem man auch landen würde, wollte man eine S 1000 RR nachträglich mit ihnen ausrüsten – und hätte dann noch kein DDC und die anderen elektronischen Feinheiten wie etwa die Launch Control, die den Start auf der Rennstrecke perfektioniert, an Bord. Unser persönliches Fazit: Die HP4 ist ein toller Racer mit vielen Qualitäten und kaum Schwächen, der sein Geld auf jeden Fall wert ist. Das Fahrwerk allein ist allerdings kein Grund zuzugreifen. (SP-X)






Mehr zur Marke BMW

Studie in Pebble BeachBMW stimmt auf den kommenden Z4 ein

BMW gibt auf dem Concours d’Elegance einen ersten Ausblick auf einen neuen Z4. Der Roadster avanciert dabei teilweise zu einer Reminiszenz eines legendären Vorbilds, das Anfang des Jahrtausends auf den Markt kam.


Entwicklung von FahrassistentenFiat Chrysler kooperiert mit BMW und Intel

Fiat Chrysler entwickelt Fahrassistenzsysteme gemeinsam mit BMW, Intel und Mobileye. Die später vollautonom agierenden Techniken sollen auch anderen Autoherstellern angeboten werden.


Mini starkBMW stagniert im Juli

BMW ist im Juli nur sehr verhalten gewachsen. Umso mehr trug die Kleinwagenmarke dazu bei, die Gruppe im schwarzen Bereich zu halten. Im Gesamtjahr liegt BMW aber noch gut im Rennen.



Mehr aus dem Ressort

Die BMW R 1200 RT lässt keine Wünsche offen
Reisetourer mit 125 PSBMW R 1200 RT: Wahre Wonne

BMW hat die R 1200 RT weiter der Perfektion zugeführt. Das seit 39 Jahren existierende Tourenmodell erfüllt dabei jeden Wunsch und verschafft Fahrer und Sozia wahre Wonnen.


Die Energica Eva kostet mindestens 30.000 Euro
E-Motorrad mit 180 NewtonmeternEnergica Eva: Elektrischer Streetfighter

Auch vor den Zweirädern machen die Stärken und Schwächen der Elektromobilität nicht halt. Die Energica Eva fährt den Verbrennern davon, benötigt aber auch viel Ladezeit zu einem extrem hohen Einstiegspreis.


Der Niu schafft rund 50 Kilometer mit einer Ladung
Elektroroller aus ChinaNiu N1S: Emissionsfrei durch die Stadt

Niu hat sich als noch junges Startup gleich an die Spitze der Elektroroller gesetzt. Der N1S sorgt nicht nur für ein reines Gewissen, sondern zudem auch noch für eine Portion Fahrfreude – wenn die Distanz nicht zu lang ist.