25. Oktober 2016

Traditionelle Motorradmesse EICMA in Mailand: Motorrad-Premieren auf dem Laufsteg

Von Honda wird eine neues Basisversion der Fireblade erwartet
Von Honda wird eine neues Basisversion der Fireblade erwartet © SP-X

Auf der EICMA in Mailand wird sich der auf der Intermot in Köln eingesetzte Premierenregen fortsetzen. Neben Retro- und Elektromodellen wird auch die Neuauflage des früheren „Rolls-Royce auf zwei Rädern“ erwartet.




Schon bisher war der Jahrgang 2017 für die Motorradbranche und deren Kunden ein überdurchschnittlich gehaltvoller: Nicht weniger als 32 neue oder gründlich modellgepflegte Motorräder zuzüglich einiger Varianten waren bereits auf der Intermot in Köln zu sehen, dazu kamen zwei ganz neue Modelle von BMW. Für die am 8. November beginnende EICMA in Mailand sind zahlreiche weitere Neuheiten angekündigt; so gut wie kein Hersteller von Rang und Namen mit Ausnahme der Amerikaner Harley-Davidson, Indian und Victory bestückt seinen Stand in der lombardischen Hauptstadt ausschließlich mit bereits bekannten Fahrzeugen.

Als besonders rührig werden sich in Mailand die italienischen Hersteller zeigen. Das ist keine Kunst, haben sie sich in Köln doch allesamt sehr zurückgehalten oder glänzten – wie die seit einiger Zeit ein Insolvenzverfahren durchlaufende Firma MV Agusta – gleich ganz durch Abwesenheit. Zudem nutzen einige Kleinsthersteller wie Avinton oder auch Brough-Superior, beide in Frankreich beheimatet, die EICMA-Bühne, um sich zu präsentieren und Neues zu zeigen; in Köln war von ihnen nichts zu sehen gewesen. Das gilt auch für Zero, den nach eigenen Angaben weltgrößten Hersteller von Elektromotorrädern aus den USA. Die Amerikaner halten die Spannung noch hoch, aber es wäre mehr als verwunderlich, wenn sie in Mailand nicht mit substanziellen technischen Verbesserungen betreffend Reichweite und Leistungsvermögen ihrer E-Motorräder aufwarten würden.


Vier Neue bei BMW

BMW hat die Premiere von vier Neuen avisiert. Ein offenes Geheiminis ist, dass die Heritage-Linie durch eine Urban Enduro ergänzt wird, die sich optisch mehr oder minder stark an der Studie „Lac Rose“ orientieren dürfte, allerdings über zwei Sitzplätze verfügen wird. Für die erfolgreiche R nineT hat BMW einige technische und optische Modifikationen angekündigt. In letzter Zeit haben sich auch die Hinweise verdichtet, dass dem noch brandneuen Einzylindermodell G 310 R eine zweite Version zur Seite gestellt wird, die über eine gewisse Geländegängigkeit verfügen dürfte. Außerdem ist zu erwarten, dass die R 1200 GS, seit ihrer Präsentation 2012 das meistproduzierte Modell der Bayern, einem technischen und auch leichtem optischen Update unterzogen wird – nach vier Jahren am Markt ist das bei BMW so üblich.

Zudem werden die Münchner ein luxuriöses Tourenmotorrad vorstellen. Da die K 1600 GT in Köln bereits in Neuauflage zu sehen war, darf man mit einer ähnlich stark überarbeiteten K 1600 GTL rechnen. Ihre Messepremiere erlebt in Mailand zudem die K 1600 B; das Bagger-Modell war nur zwei Tage nach Intermot-Schluss in Los Angeles erstmals zu sehen gewesen. Weitere Modelle dürften wegen der Anpassung an die neue Euro4-Norm motorseitig und elektronisch leicht überarbeitet gezeigt werden.

Neue Fireblade von Honda

Die Ducati Panigale 959
Die Ducati Panigale 959 © SP-X

Bei Honda ist davon auszugehen, dass in Mailand die Basisversion des Supersportlers Fireblade zu sehen sein wird; in Köln waren die Versionen SP und SP-2 präsentiert worden. Von Kawasaki weiß man bereits, dass die in Deutschland extrem erfolgreiche Nakedbike ER-6n einen Nachfolger erhält, der die Modellbezeichnung Z650 tragen wird. Auch sickerte durch, dass Kawasaki die Mittelklassemaschine Z800, seit Jahren ebenfalls ein Topseller, aufwertet und zur Z900 hochgestuft. Der Motor soll wesentlich leistungsfähiger sein als das gegenwärtige 800er Triebwerk. Von Suzuki sind weitere vier Neumodelle zu erwarten, darunter könnte auch eine Nachfolgerin für die mittlerweile betagte Bandit sein. Yamaha mauert wie üblich und lässt kein Sterbenswörtchen über seine Modellplanung verlauten. Experten tippen auf eine neue Einzylinder-Reiseenduro als Nachfolgemodell der XT 660.

Vorpreschen wird in Mailand Ducati: Bereits am Vortag der Messe werden nachmittags im Teatro Nazionale die Hüllen von mehreren Modellen gezogen. Nicht ausgeschlossen, dass die Entwicklung einer vollkommen neuen Generation des Superbikes Panigale bereits abgeschlossen ist, das sich durch einen Carbon-Rahmen – es wäre der erste im Serienmotorradbau – auszeichnet. Außerdem ist damit zu rechnen, dass Ducati in Mailand auf den Retro-Zug aufspringt, der einigen Herstellern, voran BMW, Triumph und Yamaha, bereits große Erfolge eingebracht hat.

KTM auf Straßenmodelle fixiert

Bei KTM sind in Mailand die Straßenmodelle dran, nachdem in Köln die Adventure-Baureihe neu strukturiert worden ist. In der Branche halten sich hartnäckig Gerüchte, dass eine Duke 800 mit Zweizylindermotor präsentationsreif ist. Das ultrastarke Nakedbike 1290 Superduke R wird zur Erfüllung der Euro4-Norm überarbeitet. Bei der KTM-Schwestermarke Husqvarna könnte das bereits als Prototyp gezeigte Nakedbike Svartpilen 701 die Serienreife erreicht haben.

Was Triumph noch strengstens geheim hält, liegt bei Betrachtung der Modellpalette auf der Hand: Die deutlich in die Jahre gekommene Street Triple mit einem bislang 675 Kubikzentimeter großen Dreizylindermotor bedarf dringend eines Nachfolgemodells, das ein 800er Triebwerk erhalten könnte. Die neue, sehr gediegen gemachte Bonneville Bobber, vor Wochenfrist in London der Presse vorgestellt, erlebt in Mailand ihre Messepremiere.

Kleinhersteller mit großen Ambitionen

Die Brough-Superior SS 100 ist auf 60 Exemplare limitiert
Die Brough-Superior SS 100 ist auf 60 Exemplare limitiert © Brough

Der französische Kleinserienhersteller Avinton hat angekündigt, eine neue Baureihe namens Pearl vorzustellen. Geplant sind die Versionen Race, GT und Roadster. Für den Antrieb ist ein neuer Zweizylindermotor zuständig, der aus 1647 Kubikzentimetern Hubraum 107 kW/145 PS Leistung und ein Drehmoment von 180 Nm bei nur 3000/min. schöpfen soll. Die Ausstattungskomponenten von Öhlins, Beringer und Kinéo sind hochwertig, die Preise noch nicht bekannt.

Ebenfalls in Mailand zu sehen sein wird die Serienversion der Brough-Superior SS 100, die in Toulouse/Frankreich in kleiner Serie montiert wird. Heuer sind 60 Exemplare zum Preis ab 49.500 Euro geplant, nächstes Jahr sollen 300 Stück entstehen. Brough-Superior galt in den 1930er Jahren als „Rolls Royce auf zwei Rädern“; diesen Status will die Marke wieder erreichen. (SP-X)



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