9. September 2016

Fahrbericht Marktstart am 1. Oktober BMW G 310 R: «Die Smarte» soll neue Kunden bringen

Die BMW G 310 R soll neuen Kunden zur Marke bringen. Fotos ▶
Die BMW G 310 R soll neuen Kunden zur Marke bringen. © BMW

BMW Motorrad befindet sich auf Wachstumskurs. Nach rund 137.000 abgesetzten Maschinen in 2015 wird es auch in diesem Jahr einen neuen Rekordabsatz geben. Zukünftig soll auch die G 310 R dazu beitragen, die Münchner ihrem für 2020 avisierten Ziel näher zu bringen.




Von Frank Mertens

Was ist das? Eine BMW mit 310 ccm? Ja, so etwas wird es ab Oktober geben. BMW Motorrad entdeckt nach der R 36 (dem ersten Bike mit Einzylindermotor) von vor 90 Jahren wieder die Hubraumklasse unter 500 ccm für sich. Warum das so ist? Weil BMW perspektivisch neue Kunden zur Marke bringen will, wie BMW-Motorradchef Stephan Schaller am Donnerstag bei der Fahrpräsentation des neuen Modells in München sagte.

„Die Smarte“, so nennt Schaller das neue Modell, soll dabei Kunden ansprechen, die „sich bislang nicht vom Fleck weg für eine der schweren BMWs begeistern konnten.“ Man könnte auch sagen, sich eine BMW bislang nicht leisten konnten. Doch das dürfte mit der G 310 R anders werden, denn ihr Preis liegt bei für BMW günstigen 4750 Euro. Für das, was die Münchner sonst im Angebot haben, ist das ein Schnäppchen. Wer sich bislang im Modellprogramm umschaute, fand dort mit der 700 GS das mit 8950 Euro günstigste Modell. Dass die Münchner ein Motorrad derart attraktiv anpreisen können, liegt am Produktionsort.


Produktion in Indien

Denn die G 310 R wird in Indien gefertigt, genauer gesagt in Bangalore beim Kooperationspartner TVS Motor Company. In Deutschland, so gesteht Schaller ein, hätte man die Maschine für diesen Preis nicht produzieren können. In Indien war das möglich – und BMW verdient mit der Neuen sogar Geld, einige Hundert Euro pro Modell, genauer wird Schaller nicht. Allerdings, so merkte er an, orientiere man sich bei seinen Planungen immer an der Zielrendite von acht bis zehn Prozent. Leider sagte Schaller nicht, wieviel die G 310 R gekostet hätte, wenn man sie im Stammwerk in Berlin gebaut hätte.

Doch kann das gut gehen, eine BMW den Kunden schmackhaft zu machen, die nicht in Berlin gebaut wird, sondern in Indien? Warum nicht? Das Motorradgeschäft ist mittlerweile ebenso international wie das Autogeschäft. Von daher spielt es keine Rolle, ob das Bike in Berlin, Indien, Thailand oder sonst wo auf der Welt gebaut wird. Der Produktionsstandard und die Qualitätskontrolle ist hier wie dort gleich. Dafür hat BMW gesorgt. Im Werk von TVS wurde eigens eine Produktionslinie für die neue in Deutschland entwickelte und designte G 310 R geschaffen. Gefertigt wird nach den gleichen Qualitätskriterien wie im Werk in Berlin-Spandau. Sieht man die 310 R zum ersten Mal, dann steht man vor einem schicken Roadster mit optischen Anleihen an die S 1000 R. Das wirkt für ein Motorrad mit 300 ccm alles recht schick und auch wertig.

Gute Ergonomie

Übersichtlich, das Cockpit der G 310 R
Übersichtlich, das Cockpit der G 310 R © BMW

Doch wie fährt sich das neue Einzylinder-Bike denn nun? Gut, erstaunlich gut. Vor allem stimmt auch die Ergonomie für großgewachsene Fahrer. Mit meinen 1,91 Metern war ich doch erst skeptisch, ob man auf ihr kommod sitzen kann. Man kann – und hält auch längere Strecken auf ihr recht entspannt aus, auch wenn sie nicht primär für den großgewachsenen Mitteleuropäer konzipiert ist. Auf Vordermann gebracht wird das 158,5 Kilogramm schwere Bike von einem 313 ccm großen, flüssigkeitsgekühlten Einzylindermotor mit vier Ventilen, zwei oben liegenden Nockenwellen und elektronischer Kraftstoff-Einspritzung. Dem Fahrer stellt die neue BMW eine Leistung von 34 PS zur Verfügung, die bei 9500 Touren anliegt. Das maximale Drehmoment liegt bei 28 Nm.

Damit ist dieser Roadster nun kein Ausbund an Sportlichkeit, aber man kann mit ihr eine Menge Spaß haben – und damit lockt man neue Kunden an, ob nun jung oder alt. Dank der guten Ergonomie ist eine aufrechte Sitzposition gewährleistet, die dem Fahrer nicht nur entspannte Fahrten erlaubt, sondern einen die Maschine auch locker in Schräglage drücken lässt. Bei den Testfahrten rund um München jedenfalls erwies sich das neue Modell als zuverlässige Begleiterin, die sich bei teils schlechten Straßenverhältnissen mit einer guten Fahrstabilität auszeichnete.

Dafür sorgen ein steifer Stahlrohrrahmen, vorn eine Upside-Down-Gabel und hinten eine Aluschwinge. So unterwegs hält die G 310 R souverän die Spur. Vorne kommen Reifen der Dimension 110/70 R 17 und hinten 150/60 R 17 zum Einsatz. Die Bremsen, wie alle neuen BMW-Modelle verfügt auch die 310 R über ABS, verrichten einen guten Job. Auch dass manuelle Sechsganggetriebe ist nicht zu beanstanden. Mit einer Ausnahme: der Leerlauf ließ sich schwer einlegen; das war doch etwas hakelig. Für die G 310 R sind übrigens drei Sitzhöhen von 71,5 cm. 78 cm und 81,5 cm wählbar. Fahrer unterschiedlicher Statur dürften also die für sie passende Sitzposition finden. Das Cockpit ist klar strukturiert und intuitiv zu bedienen – so muss es sein.

Durchstarten zu neuen Bestwerten

Die G 310 R von BMW bietet ein gutes Handling
Die G 310 R von BMW bietet ein gutes Handling © BMW

Nach den ersten Fahreindrücken hinterlässt die „Smarte“ einen positiven Gesamteindruck. Entsprechend zuversichtlich dürfen Schaller und sein Team auf die kommenden Monate blicken. Ende des Jahres wird auf jeden Fall ein neuer Rekordabsatz nach den rund 137.000 Motorrädern und Maxi-Scootern des Vorjahres stehen.

Mit Blick auf die für 2020 angepeilten 200.000 Einheiten wird die G 310 R ihren Beitrag leisten, die Münchner weiter nach vorn zu bringen. Der Hauptmarkt für den Roadster wird Brasilien sein. Schaller erwartet, dass 30 Prozent aller verkauften 310 R in dieses südamerikanische Land gehen werden. Der Rest verteilt sich auf Märkte wie beispielsweise Europa, Asien oder die USA. Wie viel Einheiten man im ersten vollen Jahr absetzen will – dazu mag sich Schaller nicht äußern. Nur so viel sagt er: Wir gehen von einem guten Absatz aus. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Denn während des Segment über 500 ccm nur noch für geringes Wachstum gut ist, bietet das unter 500 ccm eine Menge Potenzial. Entsprechend wird die G 310 R perspektivisch auch Familienzuwachs bekommen.






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