15. März 2017

Kurz vor Jahrespressekonferenz Razzia bei Audi wegen Dieselskandal

Rupert Stadler kurz vor der Jahrespressekonferenz.
Rupert Stadler kurz vor der Jahrespressekonferenz. © dpa

Die Staatsanwaltschaft München II hat kurz vor dem Beginn der Jahrespressekonferenz von Audi eine Razzia beim Autobauer Audi durchgeführt. Begründet wurde dies mit einem Betrugsverdacht im Dieselskandal.




Kurz vor dem Beginn der Jahrespressekonferenz hat die Staatsanwaltschaft München II eine Razzia beim Autobauer Audi durchgeführt. Begründet wurde dieser Schritt von der Staatsanwaltschaft mit einem Betrugsverdacht im Dieselskandal. Derzeit gebe es aber noch keine konkreten Beschuldigten, es werde gegen Unbekannt ermittelt. Außerdem werde geprüft, ob Audi im Zusammenhang mit dem Verkauf von rund 80.000 Dieselwagen in den USA zwischen 2009 und 2015 "strafbare Werbung" betrieben habe. An den Durchsuchungen der Audi-Zentrale in Ingolstadt und des Audi-Werks Neckarsulm sowie an weiteren Orten nahmen mehrere Staatsanwälte und Beamte verschiedener Landeskriminalämter teil.

Ein Unternehmenssprecher hatte am Mittwoch vor der Stellungnahme der Anklagebhörde bereits gesagt, dass die Durchsuchung kurz vor der Jahrespressekonferenz mit Audi-Chef Rupert Stadler begonnen habe. Man unterstütze die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft vollumfänglich, sagte der Sprecher.


Tagesaktualität bestimmt Jahrespressekonferenz

Wie Audi-Chef Rupert Stadler zu Beginn der Jahrespressekonferenz sagte, würde er sich trotz der Tagesaktualität wünschen, dass die Aufmerksamkeit auf dem abgeschlossenen Geschäftsjahr liegen würde, „eines der herausfordernsten der Geschichte“, wie der Vorstandschef auch angesichts des Dieselskandals sagte.

Audi hatte in den USA Diesel-Autos mit illegaler Software verkauft, die niedrigere Abgaswerte angibt. Schon unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe in den USA hatte die bayerische Justiz ein Prüfverfahren eingeleitet. Der Audi-Sprecher wollte sich zu den laufenden Ermittlungen am Mittwoch nicht äußern.

Audi hatte im vergangenen Jahr seine weltweiten Auslieferungen um 3,6 Prozent auf 1.867.738 Millionen Fahrzeuge steigern können. Wie Finanzvorstand Axel Strotbek sagte, stiegen die Umsatzerlöse auf 59,3 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis lag bei 3,1 Milliarden Euro, die Umsatzrendite bei 5,1 Prozent. Das Ergebnis der VW-Tochter wurde angesichts der Probleme mit Airbags von Takata und dem Dieselskandal mit 1,8 Milliarden Euro belastet.

"Als Konsequenz aus der Diesel-Affäre stellen wir bei Audi alles auf den Prüfstand." Die Aufarbeitung sei "noch lange nicht abgeschlossen". Aber sein Unternehmen tue alles, "dass so etwas wie die Diesel-Affäre bei uns nie wieder passiert". (AG/FM/dpa)



Lesen Sie mehr aus dem Ressort Unternehmen



Mehr zur Marke Audi

Chef Stadler in der KritikAudi-Betriebsrat fordert klaren Kurs der Führung

Der Audi-Betriebsrat hat Rupert Stadler stark kritisiert. Die Arbeitnehmer fordern vom Audi-Chef eine zukunftssichernde Produktionsstrategie und eine verbesserte Kommunikation.


Vierte Generation der LuxuslimousineAudi startet mit neuem A8 in die automobile Zukunft

Audi hat in Barcelona den neuen A8 vorgestellt. Die neu designte Luxuslimousine hat sich für die automobilen Anforderungen der Zukunft mit einer Vielzahl von technischen Raffinessen eingedeckt.


Nach sechs Monaten im MinusAudi stoppt Abwärtstrend in China

Audi hat das erste Halbjahr im Minus abgeschlossen. Nach der Beilegung des Streits mit Autohändlern in China steigen aber für die VW-Tochter aus Ingolstadt die Chancen auf ein besseres zweites Halbjahr.



Mehr aus dem Ressort

Statement des Autobauers«Fahrzeuge der BMW Group werden nicht manipuliert»

Es hat gedauert. Doch nun äußert sich auch BMW zum jüngsten Kartellvorwurf. Zugleich weist der Autobauer den Vorwurf der Abgasmanipulation zurück.


Bundesverbraucherminister Heiko Maas
Hersteller sollen für Schäden aufkommenMaas für Klagemöglichkeiten geschädigter Kunden

Heiko Maas wirbt für neue Klagemöglichkeiten der Verbraucher bei Massenanfällen wie beim Diesel-Skandal. Auch beim Kraftfahrtbundesamt sollte ein Verbraucherbeirat isntalliert werden, sagte der Bundesverbraucherminister.


Automarken
Basis für den DieselskandalDeutsche Autohersteller unter Kartellverdacht

Das Unheil für deutsche Autobauer wird erweitert. VW und Co. sollen sich samt Zulieferern laut einem Medienbericht abgesprochen haben - auch der Dieselskandal könnte so begonnen haben.