21. September 2012

Vision CO2-neutrale Mobilität Audi: Kraftstoff-Produktion mit Mikro-Organismen

Der Audi A3 TCNG kommt im Herbst 2013 auf den Markt.
Der Audi A3 TCNG kommt im Herbst 2013 auf den Markt. © Audi

Audi arbeitet mit Nachdruck an der CO2-neutralen Mobilität. Dazu engagieren sich die Ingolstädter mittlerweile nicht nur als Energieerzeuger, sondern auch als Produzent von Kraftstoffen mit Mikroorganismen.




Von Frank Mertens

Sieht so "Vorsprung durch Technik" aus? Erst im Herbst des kommenden Jahres wird die VW-Tochter Audi den erdgasbetriebenen A3 Sportback TCNG auf den Markt bringen. Verdammt spät, könnte man denken. Schließlich sind andere Hersteller längst mit Erdgasfahrzeugen auf dem Markt – nicht nur Volumenhersteller. Zuletzt hatte Daimler angekündigt, sein Angebot an CNG-Modellen nun auch mit der neuen Mercedes B-Klasse zu erweitern. Und Audi? Hier sucht man vergeblich nach einem Erdgasauto im Angebot.

Also hat die VW-Tochter wieder einen Trend verschlafen? Keineswegs, sagt Reiner Mangold, der bei den Ingolstädtern die nachhaltige Produktentwicklung verantwortet. In seiner Position muss Mangold so etwas sagen, alles andere wäre eine Überraschung. Doch Audi muss bei der Einführung neuer Technologien nicht Erster sein. Diesen Anspruch, den man aufgrund des Markenclaims vermuten dürfte, hat man in Ingolstadt scheinbar nicht.


Vision CO2-neutrale Mobilität

Vielmehr will man seinen Kunden ein Angebot machen, das es in dieser Form sonst nicht gibt. So ist es auch beim Erdgasantrieb. Hier reicht es den Ingolstädtern nicht aus, dass die Kunden ihr Auto mit fossilem Erdgas betanken können. Man will das Thema ganzheitlich denken. Schließlich hat die VW-Tochter eine Vision – und die heißt CO2-neutrale Mobilität. Dass der Weg dahin lang ist, ist klar.

Kraftstofftanks im Audi A3 Sportback TCNG
Kraftstofftanks im Audi A3 Sportback TCNG © Audi

Doch irgendwann müsse man damit anfangen, sagt Mangold. Und der Anfang ist gemacht. Im Mai 2011 hat Audi sein E-Gas-Projekt in Hamburg vorgestellt und bekannt gegeben, dass man sich an einem Windpark in der Nordsee beteiligt. Aus dem Autobauer wurde damit ein Energieerzeuger. Bis zum Marktstart des Audi A3 Sportback TNCG im Herbst kommenden Jahres wird man dann so weit sein, regenerative Energie zu erzeugen. Dazu hat man sich nicht nur an einem Offshore-Windpark beteiligt, sondern errichtet in Kooperation mit SolarFuel im norddeutschen Werlte eine Anlage, die im industriellen Maßstab aus regenerativen Strom synthetisches Erdgas gewinnt.

Produktion von 1000 Tonnen Methan

Methanisierung im Audi E-Gas-Projekt
Methanisierung im Audi E-Gas-Projekt © Audi

Im Emsland sollen dann ab dem Jahr 2013 jährlich 1000 Tonnen Methan erzeugt werden, bei dessen Produktion 2800 Tonnen CO2 gebunden werden. Diese Menge Methan reicht bei einer Fahrleistung von jährlich 15.000 Kilometer für die Versorgung von 1500 A3 Sportback TCNG mit regenerativem Audi E-Gas. Beim TCNG-Audi handelt es sich im Übrigen um ein BiFuel-Fahrzeug. Sprich: es kann sowohl mit Benzin- als auch Erdgas betrieben werden. Dazu verfügt er über einen 1.4 Liter starken Benzinmotor mit 110 PS. Die Gesamtreichweite liegt bei rund 1200 Kilometern (400 Kilometer mit Gas, 800 Kilometer Benzin). Im Gasbetrieb liegt der Verbrauch übrigens bei 3,6 Kilogramm auf 100 Kilometern. In der so genannten "Well-to-Wheel"-Betrachtung, also der ökologischen Gesamtbilanz, kommt man so auf einen CO2-Wert von unter 30 Gramm pro Kilometer mit Audi E-Gas. Kein schlechter Wert.

Von dem Audi E-Gas-Projekt könnte mittelfristig auch die deutsche Energiewirtschaft profitieren, ist sich Mangold sicher. Warum? Weil mit dem in Werlte angewendeten Verfahren regenerativ erzeugter Strom effizient gespeichert werden kann. So könnten beispielsweise Stromüberkapazitäten in Audi E-Gas umgewandelt werden und dann im öffentlichen Gasnetz eingelagert werden. Wird dann Energie benötigt, kann es ins Stromnetz eingespeist werden.

Kraftstoffproduktion mit Mikroorganismen

Kraftstoffproduktion mit Mikroorganismen
Kraftstoffproduktion mit Mikroorganismen © Audi

Neben der Gewinnung von E-Gas konzentriert sich Audi auch auf die Herstellung von Kraftstoffen – und hier denkt man nicht an die umstrittenen Biokraftstoffe. Doch statt hier auf die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen wie Mais oder Raps zu setzen, versucht Audi in Kooperation mit der Biotechnologiefirma Joule in Bedford im US-Bundesstaat Massachusetts synthetische Kraftstoffe mit Mikroorganismen herzustellen. Wie bei Pflanzen nutzen auch diese Mikroorganismen die Photosynthese, nehmen also CO2 und Sonnenlicht auf.

Bei Joule hat man diesen Prozess der Photosynthese indes so abgewandelt, dass man aus dem Kohlendioxid Ethanol oder auch Bestandteile von Dieselkraftstoff produzieren kann – und das alles ohne die Verwendung von Biomasse und die Konkurrenz zu Nahrungsmitteln. In New Mexiko hat gerade der Bau einer Demonstrationsanlage begonnen, in der wohl schon ab Ende des Jahres Audi E-Ethanol hergestellt werden soll. Während beispielsweise bei der Verwendung von Biomasse wie Mais pro Hektar Anbaufläche 3500 Liter Bioethanol gewonnen werden können, bei Zuckerrüben liegt der Ertrag bei 7000 Liter, sind es bei dem Verfahren von Joule 75.000 Liter. Wie Mangold berichtet, der gerade bei der Grundsteinlegung der Demonstrationsanlage war, könnte die kommerzielle Produktion in fünf Jahren beginnen.



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