7. Juli 2017

Mittäterschaft im Abgasskandal US-Justiz nimmt Ex-Audi-Manager fest

Im Abgasskandal steht nun ein Ex-Audi-Manager im Visier der Ermittler.
Im Abgasskandal steht nun ein Ex-Audi-Manager im Visier der Ermittler. © dpa

Die US-Justiz hat Strafanzeige gegen einen ehemaligen Audi-Manager gestellt und den Mann festgenommen. Ihm wird Mittäterschaft im Abgasskandal innerhalb des VW-Konzerns vorgeworfen.




Bei den Ermittlungen gegen Audi in der Diesel-Affäre ist erstmals in Deutschland ein Beschuldigter festgenommen worden. Ihm werden Betrug und unlautere Werbung vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft München II am Freitag bestätigte. Der Mann sei am Montag festgenommen worden und sitze in Untersuchungshaft. Wer er ist, welche Rolle er in der Diesel-Affäre spielt und was ihm genau vorgeworfen wird, wollte die Behördensprecherin nicht sagen.

Laut «Spiegel Online» und «Bild» handelt es sich um einen ehemaligen Manager der VW-Tochter Audi, der bis 2015 ein Team von Ingenieuren geleitet haben soll, das für die Abgaskontrollsysteme der Modelle für den US-Markt zuständig war. Gegen den 60-jährigen Italiener haben zudem die US-Behörden Strafanzeige gestellt. Sie werfen ihm Verschwörung zum Betrug und Verstöße gegen US-Umweltrecht vor.


Teil einer Verschwörung

Der Beschuldigte soll Teil der Verschwörung gewesen sein, bei der dieser vorsätzliche Abgasbetrug und damit die Verletzung des Luftreinhaltegesetzes beschlossen und angeordnet wurde. VW räumte die Manipulationen nach Vorwürfen der US-Umweltbehörden im September 2015 ein und musste bereits 22,6 Milliarden Euro an Rechtskosten zur Beilegung von Klagen in Nordamerika wegen der Affäre verbuchen.

Während die strafrechtliche Verfolgung in den USA mit diesen Vergleichen auf Konzernebene beigelegt wurde, versuchen die dortigen Behörden weiter mit Nachdruck, persönlich Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen. Der Ex-Audi-Manager ist nun bereits der achte Mitarbeiter des VW-Konzerns, gegen den das US-Justizministerium Strafanzeige gestellt hat.

Bislang sind die Fahnder allerdings nur zweier Beschuldigter habhaft geworden. Einer wurde Anfang des Jahres in Florida verhaftet und wartet derzeit in Haft auf den Beginn seines Strafprozesses. Ein weiterer hatte im September 2016 ein Schuldgeständnis abgegeben und einen Kronzeugen-Deal ausgehandelt. Er befindet sich gegen Kaution auf freiem Fuß und erwartet seine Urteilsverkündung.

Zur Fahndung ausgeschrieben

Die noch Gesuchten vermutet die US-Justiz in Deutschland, von wo ihnen keine Auslieferung droht. Allerdings könnte sich die Suche nach den Männern, die die US-Behörden strafrechtlich belangen wollen, noch zu einem regelrechten Krimi entwickeln. Erst im Juni berichteten «Süddeutsche Zeitung», NDR und WDR, dass die USA die Angeklagten über die internationale Polizeiorganisation Interpol zur weltweiten Fahndung ausgeschrieben haben.

Ohnehin ist der Skandal, von dem weltweit rund elf Millionen Dieselwagen betroffen waren, für VW und Audi noch lange nicht ausgestanden. Auch in Deutschland laufen strafrechtliche Ermittlungen - die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt wegen des Verdachts auf Betrug gegen fast 40 Beschuldigte. Daneben gibt es in Europa zahlreiche Klagen von Aktionären sowie zivilrechtliche Klagen von Autobesitzern. Bislang sträubt sich der VW-Konzern außerhalb von Nordamerika gegen Entschädigungszahlungen. (dpa)



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