6. April 2017

Flaggschiff mit höherer Torsionssteifigkeit Audi A8: Vorsprung durch Leichtbau

Die Karosserie des neuen Audi A8. Fotos ▶
Die Karosserie des neuen Audi A8. ©

Audi ist stolz auf seine Leichtbaukompetenz. Nun präsentiert die VW-Tochter die Karosserie seines neuen Flaggschiffs A8. Er kommt im Vergleich zum Vorgänger indes auf ein Mehrgewicht von 51 Kilogramm. Sieht so Vorsprung durch Leichtbau aus?




Von Frank Mertens

So sieht sie also aus, die neue Karosserie des Audi A8. Mit ihr will die VW-Tochter zeigen, dass sie beim Leichtbau den nächsten Innovationsschritt eingeleitet hat. So verwundert es nicht, dass die Rohkarosse an erster Stelle vor den Fahrzeugen steht, die die Leichtbaukompetenz der Ingolstädter Autobauers unterstreichen: da ist der Supersportwagen R8, der A2, die Studie des A8 aus dem Jahre 1993 und der niemals gebaute Avus Quattro. Sie alle verbindet das Thema Leichtbau durch Aluminium - und damit die Historie von Audi in diesem Bereich.


1994 debütierte der erste A8 mit ASF

Denn 1994 kam der erste Audi A8 mit dem so genannten Audi Space Frame (ASF) auf den Markt, die halb so viel Gewicht auf die Waage brachten wie die bis dahin bekannten Blech- und Stahlkarossen. Zwar gab es zuvor das erste vom damaligen stellvertretendem Audi-Vorstandschef Ferdinand Piech auf den Weg gebrachte Modell mit ASF schon 1987. "Doch damals war die Zeit noch nicht reif für ein solches Auto", sagt Heinrich Timm, der ehemalige Leiter des Audi Leichtbauzentrums. Entsprechend ging der Audi V8 nicht in Serie, dafür konnte ihn Timm fünf Jahre als Dienstfahrzeug nutzen, wie er bei der Vorstellung des neuen ASF für das in den Startlöchern stehende Flaggschiff der Ingolstädter in Neckarsulm sagte.

Studie des A8 aus dem Jahr 1993
Studie des A8 aus dem Jahr 1993 © AG/Mertens

Zwischen diesem Audi des Jahres 1987 und dem des Jahres 2017 liegen 30 Jahre. Ein Zeitraum, der erahnen lässt, was von der vierten Generation des A8 an Innovationen zu erwarten ist. So werden im Vergleich zur dritten Generation des Flaggschiffs nicht nur zwei Materialien (Stahl und Alu), sondern gleich vier verwendet. So besteht der neue A8 zu 58 Prozent aus Alu, zu 30,5 Prozent aus Stahl, zu 0,5 Prozent aus Magnesium und zu einem Prozent aus Karbon. Das CFK kommt an Rückwand inklusiver der hinteren Ablage zum Einsatz. Direkt vor der Windschutzscheibe ist ein sogenannter Domträger aus Magnesium verbaut.

Mit einem Gewicht von 1,2 Kilogramm ist es gleich um 28 Prozent leichter als das zuvor verbaute Bauteil und sorgt zudem auch durch die neue Formgebung für eine höhere Steifigkeit und im Falle eines Crashs für mehr Sicherheit. Im Zusammenspiel dieser Materialien bringt es die Karosserie des neuen A8 auf ein Gewicht von 282 Kilogramm. Experten lässt das aufhorchen. Denn damit ist der neue A8 gleich um 51 Kilogramm schwerer als der Vorgänger. Wo, bitteschön, ist da der Vorsprung durch Leichtbau?

Gestiegene Sicherheitsanforderungen

Der erste Audi mit Space Frame aus dem Jahr 1987
Der erste Audi mit Space Frame aus dem Jahr 1987 © AG/Mertens

Die Karosserie-Entwickler nehmen die Frage gelassen. Damit sei man immer noch Benchmark im Segment. Die Konkurrenz von BMW mit dem 7er und Mercedes mit der S-Klasse (die neue Generation kommt im Sommer) liege immer noch über 300 Kilogramm. Bei Audi verweist man als Grund für das Mehrgewicht dann unter anderem auf die gestiegenen Anforderungen beim EuroNCAP, der Elektrifizierung (im A8 wird es ein 48 Volt Bordnetz geben) und natürlich auf die Vernetzung vor dem Hintergrund teilautonomer Fahrassistenzsysteme.

Zudem wird es den A8 natürlich auch als Plug-in-Hybrid geben. "Jedes Auto wird in seine Zeit hineinggeboren und wir mussten unter anderem ein Lastenheft mit gestiegenen Sicherheitsanforderungen erfüllen", erklärt Ulrich Widmann, der Leiter Entwicklung Aufbau. Doch Gewicht ist das eine, die Torsionssteifigkeit das andere. Und hier hat sich das Flaggschiff um 24 Prozent verbessert. Eine Verbesserung, die nicht nur zu einem leiseren Fahren führt, sondern auch das Handling deutlich verbessert, wie Widmann betont. Vor allem bei den in China so beleibeten Langversionen wird dies besonders zum Tragen kommen.

Aber durch die Verwendung neuer Laserschweißmethoden und neuer Materialien haben auch die Insassen mehr Platz bekommen. So kann nicht nur der Fahrer aufgrund einer schmaleren B-Säule ins Auto einsteigen, sondern auch im Fond geht es bei dem Fünf-Meter-Auto trotz gleicher Abmessungen wie beim Vorgänger geräumiger zu. So kann man sich beispielsweise über 2,8 Zentimeter mehr Knie- und 1,4 Zentimeter mehr Kopffreiheit freuen.

Das hört sich alles vielversprechend an, auch wenn man sonst anhand der Karosserie nicht erahnen kann, wie denn nun der neue A8 aussehen wird. Da muss man sich noch ein wenig gedulden. Im Sommer will Audi sein Flaggschiff in Barcelona präsentieren. Wenn dann auch noch Mercedes die neue S-Klasse vorstellt, wird es spannend, wer sich in der Premiumklasse durchsetzen wird.



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