31. Dezember 2010

Fahrbericht Neuer V-Motor für italienisches Funbike Aprilia Dorsoduro 1200: Raus aus Kinderschuhen

Gutes Handling: Die Aprilia Dorsoduro 1200
Gutes Handling: Die Aprilia Dorsoduro 1200 © Aprilia

Aprilia hat sich mächtig für die Dorsoduro 1200 ins Zeug gelegt. Neben einem neuen 130 PS Zweizylinder-V-Motor mit 130 PS ist das Funbike der Italiener auch mit ABS und Traktionskontrolle unterwegs.




Von Thilo Kozik

Für die neue Dorsoduro 1200 hat Aprilia einen neuen Zweizylinder-V-Motor mit 96 kW/130 PS entwickelt. Drumherum haben die Italiener eine rassige Funbike-Optik gestrickt, und in der Edelversion für 12 799 Euro locken sogar ein ABS sowie eine serienmäßige Traktionskontrolle. Damit ist das Aprilia Funbike-Konzept Dorsoduro den Kinderschuhen entwachsen, auch wenn die bislang angebotene 750er schon Fahrspaß pur verbreitet hat.


Puristisches Aprilia-Design

Aber auch die 1200er weist das aufs Wesentliche reduzierte Design mit schmaler Sitzbank und die puristische Silhouette ohne allzu viel Plastik im Supermoto-Stil auf, die durch kantige seitliche Lufthutzen und modern gestylte Handprotektoren einen brachialen Touch verliehen bekommt. Hingucker für sich sind der moderne Verbundrahmen aus Stahl-Gitterrohrgeäst, das mit Leichtmetall-Gussteilen den Motor umgibt, und das seitlich liegende Federbein mit gelber Feder, das einen technischen Look verleiht.

Der Zweizylinder V-Motor leistet 130 PS
Der Zweizylinder V-Motor leistet 130 PS © Aprilia

Als gelungener Kontrast prangt eine goldene Upside-Down-Gabel an der Front. Herzstück des Landstraßenjägers ist jedoch der neu entwickelte flüssigkeitsgekühlte 90-Grad-V-Motor mit knapp 1 200 ccm, ein Aggregat von hochmoderner Konstruktion mit Vierventiltechnik, zwei obenliegenden Nockenwellen und Einspritzanlage. Dieser Triebling schafft nicht nur beachtliche 96 kW/130 PS Maximalleistung und ein bäriges Drehmoment von 115 Nm, vielmehr ist es die Form der Darreichung, die diesen Motor so gelungen macht. Das besonders breite nutzbare Drehmoment bietet schon ab 2 500 U/min mehr als verwertbaren Vortrieb, die fleischige Drehzahlmitte ist es, die imponieren kann. Auch wenn es oben herum nicht unbedingt zäh wird – hier dominiert der Druck über die Drehfreude.

Drei Fahrmodi

Als Besonderheit werden bei der Aprilia die Drosselklappen nicht direkt vom Gaszug, sondern elektronisch gesteuert - Ride by wire genannt. Die Umsetzung der Gasgriffbefehle erfolgt fast verzögerungsfrei, spontan und direkt, der Motor hängt prima am Gas. Diese Technik erlaubt es, den Motor in drei verschiedenen Fahrmodi agieren zu lassen, mit denen sich die Charakteristik der Leistungsentfaltung beeinflussen lässt: Sport, Touring und Regen stehen zur Verfügung, die sich vor allem durch das Ansprechverhalten des Motors unterscheiden. "Touring" ist für flottes Vorwärtskommen völlig ausreichend, im "Sport"-Modus zeigt die 1200er dann ihr wahres Gesicht, aggressiv und angriffslustig.

Den Regenmodus wählt man jedoch wirklich nur bei Nässe. Über diese Technologie verfügt auch die 750er, doch in der 1200er erscheint sie ausgereifter: Selbst im Sport-Modus halten sich die vom Gaswechsel bedingten Lastwechselreaktionen der feurigen Italienerin im Rahmen, sie beschleunigt nachvollziehbar und sauber entsprechend der Gasgriffstellung. Vom rumpeligen Motorlauf im unteren Drehzahlbereich beispielsweise im Stadtbetrieb zeigt sich die 1 200er geheilt, lediglich ab 6 500 Touren auftretende Vibrationen künden vom kernigen Verbrennungsablauf.

Die Seitenlinie derAprilia Dorsoduro 1200
Die Seitenlinie derAprilia Dorsoduro 1200 © Aprilia

Als gänzlich neue Technologie zeigt die 1200er Dorsoduro eine Traktionskontrolle, die Aprilia Traction Control ATC, die bislang nur wenigen exklusiven Supersportmotorrädern vorbehalten war. Über einen Hebel am linken Lenkerende lassen sich drei Regelstufen einstellen: Stufe 1 bedeutet volle Leistungsentfaltung für extrem sportliche Fahrweise, in Stufe 2 gibt's volle Leistungsentfaltung mit moderatem Krafteinsatz für sportlich relaxtes Fahren und die Stufe 3 reduziert die Leistungsabgabe fürs Fahren auf nassen Straßen und Strecken mit wenig Grip. Gerade die stärkste Stufe der Traktionskontrolle vermittelt ein gutes Gefühl und sorgt dafür, dass dem enormen Druck des Motors Fahrfreude und nicht Frust über zuviel Drehmoment folgt.

Gutes Fahrwerk

Auf engen Kurvenstrecken kann das Dorsoduro-Fahrwerk mit besonderer Agilität gefallen, ohne dass die Stabilität darunter leiden würde. Mit einstellbaren Federelementen und knackigen Brembo-Stoppern an der Doppelscheibenbremsanlage vorn bietet die Aprilia dem Ambitionierten einen artgerechten Fahrgenuss. Aufrecht sitzend und mit der breiten Lenkstange zwischen den Armen wirft der Pilot die 223 Kilogramm leichte Aprilia mühelos durch die engen Radien der Landstraßen. Die Dorsoduro gehorcht aufs Wort, präzises Einlenken und gute Straßenlage begeistern. Beim Bremsen in Schräglage neigt die Aprilia nicht zum Aufstellen, die Bremsleistung ist gut, aber nicht extrem giftig. Etwas straff fällt die Grundabstimmung der Federelemente aus, doch die Präzision macht den kleinen Komfortnachteil wieder wett.

Dynamisch unterwegs, die Aprilia Dorsoduro 1200
Dynamisch unterwegs, die Aprilia Dorsoduro 1200 © Aprilia

Apropos Komfort: Der spielt hier nur eine untergeordnete Rolle. Die Sitzposition ist frontorientiert, ideal zum Angasen im Kurvenrevier, aber nicht unbedingt langstreckentauglich. Windschutz darf von der kleinen Lampenverkleidung niemand ernstlich erwarten, ebenso wenig wie Soziuskomfort. Und um dem Letzten klar zu machen, dass die Dorsoduro nichts als im Landstraßenrevier spielen will, fällt der Tank mit 15 Litern so klein aus, dass Etappen von vielleicht 180 Kilometern möglich sind. Aber: Diese Aprilia begeistert mit einem grandiosen Fahrerlebnis, edlen Details, sauberen Finish und innovativen Technologien. Wer darauf steht, bekommt die bezahlten 12 799 Euro mit reichlich Fahrspaß verzinst zurück. (mid)






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