14. März 2017

Kooperation von Italdesign und Airbus Beim Flugauto Pop.up kommt die Drohne auf Bestellung

Italdesign und Airbus zeigen in Genf das Flugauto Pop.up Fotos ▶
Italdesign und Airbus zeigen in Genf das Flugauto Pop.up © AG/Mertens

Ein zweiter Blick lohnt. Wer in diesen Tagen den Autosalon Genf besucht, der sollte sich Zeit für den Stand von Italdesign nehmen. Denn hier wird mit dem Pop-up ein in Kooperation mit Airbus entstandenes Flugauto bestaunen.




Der Stand von Italdesign auf dem Genfer Autosalon liegt gegenüber dem von VW und Skoda. Er ist bei weitem nicht so groß wie der der beiden Autobauber, aber das, was dort gezeigt wird, ist nicht minder interessant. Es ist ein in Zusammenarbeit mit dem Flugzeugbauer Airbus entstandenes Flugauto.

Dabei schweben die Rotoren über dem Pop.up genannten Fahrzeug, das da auf Messestand von Italdesign steht. Man muss schon genau hinschauen, um zu erkennen, dass sich ein Verweilen lohnt. Denn hier steht möglicherweise die Zukunft der Mobilität. Denn zusammen mit Airbus hat die Audi-Tochter ein Flugauto vorgestellt.

Dass sie sich mit der Zukunft auskennt, hat die italienische Kreativ-Agentur schon Anfang der 80er bewiesen: Aus Giugiaros Feder stammte der DeLorean DMC-12, der bekanntlich durch die Zeit reisen konnte. Zugegeben, der Flux-Kompensator hat es bislang nicht in die Serie geschafft, und wird wohl auch noch lange auf seine Erfindung warten müssen. Doch das heißt nicht, dass das auf dem Genfer Autosalon gezeigte Flugauto Pop.up nur eine Fiktion ist, die wieder in der Schublade verschwindet. Ganz im Gegenteil. "Wenn man das städtische Fahrzeug der Zukunft entwickeln möchte, kann das herkömmliche Auto nicht mehr die alleinige Lösung für Metropolen sein", erklärt Italdesign-Chef Jörg Astalosch.


Platz für zwei

Herzstück des neuen Mobilitätskonzepts ist eine Passagierkapsel, die optisch irgendwo zwischen Smart, Renault Twizzy und BMW i3 einzuordnen ist und Platz für zwei Reisegäste hat. Prinzipiell sitzt die rundum verglaste Kapsel auf einem Bodenmodul mit vier Rädern und Elektroantrieb, und rollt über die Straße. Allerdings ohne Lenkrad oder Pedale – das per App bestellte Fahrzeug holt seine Gäste alleine ab und bringt sie völlig autonom ans Ziel. Um dort möglichst schnell hinzukommen, bedient sich Pop.up aber nicht nur der Straße, sondern auch der dritten Dimension.

Heißt konkret: Wenn der Computer feststellt, dass der Weg durch die Luft die bessere Wahl ist – zum Beispiel, weil auf der Strecke ein Stau zu erwarten ist – ruft er eine überdimensionierte Drohne mit acht gegenläufigen Rotoren. Die aus Kohlefasern gefertigte Kapsel wird von der Bodeneinheit gelöst, an die Drohne angedockt und schon geht die Reise in einigen Metern Höhe weiter, natürlich auch hier völlig selbstpilotiert. Die beiden Fahr-Flug-Gäste können sich zurücklehnen, den Ausblick genießen oder sich auf der Windschutzscheibe Informationen zur Reiseroute und mehr einblenden lassen.

Drohnen kehren zurück zur Basis

Im Innenraum gibt es kein Lenkrad
Im Innenraum gibt es kein Lenkrad © AG/Mertens

Boden- und Luftmodule, die ihre Arbeit verrichtet haben, kehren automatisch zurück zu einer Basisstation, wo sie ihre Akkus wieder aufladen, und auch die Kapseln werden, wenn die Passagiere ausgestiegen sind, wieder aufgeräumt. Denn: Selber besitzen wird zukünftig wohl kaum mehr jemand so ein Pop.up. Das Fahr-Flug-Mobil wird einfach bei Bedarf angefordert. Bei der Bestellung können gleich Sonderwünsche angegeben werden, wie zum Beispiel ein zusätzlicher Stopp zur Bildung einer Fahrgemeinschaft – der Computer berechnet stets die beste Route und entscheidet selbstständig, ob Pop.up den Weg über die Straße oder durch die Luft nehmen soll.

Ganz neu ist die Idee, dem Stau durch Ausnutzung der dritten Dimension zu entgehen, natürlich nicht. Schon seit den 80er Jahren basteln verschiedene Tüftler an einem Flugauto, Taxi-Konkurrent Uber hatte vor einiger Zeit, wenn auch nur auf dem Papier, ähnliche Ideen präsentiert und auch Google-Gründer Larry Page findet die Vorstellung, einfach abzuheben, ziemlich spannend. Zumindest investierte er 100 Millionen Dollar in ein Projekt, dass an so einer Boden-Luft-Lösung arbeitet.

Mit Airbus und der Audi-Tochter Italdesign greifen nun allerdings keine Start-ups an, sondern zwei gestandene Unternehmen, die sich in der Mobilitätsbranche bestens auskennen. Und sie zeigen sich selbstsicher: Schon in sieben bis zehn Jahren könnte Pop.up auf die Straße gebracht werden - beziehungsweise in die Luft. (SP-X)



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