ADAC-Präsident Meyer kam Amtsenthebung zuvor

Rücktritt reicht nicht aus

Der ADAC plant einen Radikalumbau. © dpa

Mit seinem Rücktritt als ADAC-Präsident ist Peter Meyer einer Amtsenthebung zuvor gekommen. Der Schritt Meyers reiche indes nicht aus, so Justizminister Maas, der Reformen anmahnte.

ADAC-Präsident Peter Meyer ist mit seinem Rücktritt nach Vereinsangaben einer Amtsenthebung zuvor gekommen. Angesichts der aktuellen Vertrauenskrise und der erschütternden Ergebnisse der aktuellen Krisenaufarbeitung habe das ADAC-Präsidium am Montagvormittag ein Suspendierungsverfahren gegen Meyer beschlossen, teilte der Verein mit.

Das Amt des Präsidenten übernimmt kommissarisch Vizepräsident August Markl (65). Die Nachfolge soll bei der nächsten ordentlichen Hauptversammlung im Mai 2014 geregelt werden

Justizminister Maas fordert Reformen

Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) hat nach dem Rücktritt von ADAC-Präsident Peter Meyer weitere Konsequenzen bei Deutschlands größtem Autoclub angemahnt. «Dieser Rücktritt wird allein nicht ausreichen», teilte Maas am Montag in Berlin mit. «Der ADAC muss sich das verlorene Vertrauen seiner Mitglieder zurück erarbeiten. Dafür braucht es größtmögliche Transparenz und grundlegende Reformen.»

Verbraucher müssten sich darauf verlassen können, dass Produkttests und Umfragen nicht manipuliert werden, forderte Maas. Nach den Manipulationen beim ADAC-Autopreis «Gelber Engel» hatte ADAC-Präsident Meyer am Montag sein Amt niedergelegt. «Grundsätze der guten Unternehmensführung sollten auch für Organisationen wie den ADAC gelten», sagte Maas.

Nach Einschätzung des Auto Club Europa (ACE) kommt der Rücktritt Meyers nicht überraschend. «Dieser Rücktritt war ebenso absehbar wie unausweichlich», sagte ein Sprecher des ACE am Montag in Stuttgart. «Der Verein muss jetzt zwar nicht mehr die Last seines Präsidenten tragen, am Gewicht der eigenen Probleme hat sich vorerst aber nichts geändert.»

Dudenhöffer fordert Rücktritt von Obermair

Für einen Neuanfang des krisengeschüttelten ADAC hält der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer den Rücktritt von dessen Präsident Peter Meyer für unzureichend. Er halte auch den ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair für nicht weiter tragbar, sagte der Autoexperte von der Universität Duisburg-Essen der «Rheinischen Post» (Dienstag). «Nachdem die ersten Enthüllungen über die Manipulationen beim "Gelben Engel" veröffentlicht wurden, hat Obermaier sich darüber öffentlich lustig gemacht statt aufzuklären. Allein darum ist er als hauptamtlicher ADAC-Chef nicht mehr tragbar und muss sofort gehen.»

Automobilexperte Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive in Bergisch Gladbach, hält laut «Rheinischer Post» Meyers Rücktritt für den richtigen Weg: Eine grundlegende Reform sei nun leichter möglich. «Aber auch in der Geschäftsführung muss sich jeder Verantwortliche fragen, ob er glaubhaft für einen Neuanfang stehen kann», betonte Bratzel. (AG/dpa)